Wenn man im Internet oder in Büchern über den Tibet Terrier liest, findet man in diesem Zusammenhang auch immer wieder den Namen ‘Lamleh’. Aber was bedeutet eigentlich dieses Wort?
‘Lamleh’ ist der Zwingername (Kennel-Prefix) der Tibet Terrier Zucht von Mrs. Agnes Greig, welche diese Hunde aus Tibet zu uns in die westliche Welt brachte und die Begründerin der Zucht dieser wunderbaren Rasse ist.
Heutzutage fügen Züchter den Namen ihrer Welpen das Wort Lamleh bei, um damit zu zeigen, dass deren Blutlinien ausschließlich auf die Hunde aus der Zucht von Dr.Greig, und einigen wenigen frühen Importen aus Indien und Tibet, zurückführen. Vor allem Züchter aus Deutschland haben vor Jahren damit begonnen den Kennelnamen von Dr. Greig seinen eigenen Hunden mitzugeben. In England, Schweden und den USA, wo die Zucht reiner Lamleh’s schon viel länger intensiv betrieben wird, ist dies nicht populär. Gerade die langjährigen Lamleh-Züchter verzichten bewusst auf das Einfügen dieses Wortes aus Respekt und Wertschätzung gegenüber der Begründerin der Tibet Terrier Zucht. Daher gibt es viele sehr schöne TT aus dieser Linie, die den Namen nicht als Zusatz tragen.
Artikel im KTR Reporter
Im KTR Reporter 2/2005 erschien ein Artikel, in dem der Verfasser Adolf Kraßnigg der Übersetzung und damit Bedeutung des tibetischen Wortes ‘Lamleh’ nachging, denn keiner konnte ihm bisher die Frage danach beantworten. Seine Recherchen ergaben, dass das Wort ‘Lam’ aus dem Tibetischen übersetzt ‘Weg’ heißt. Für das Wort ‘Leh’ fand er zwei Deutungen. Zum einen könne es der Namen der Stadt ‘Leh’ (Hauptstadt von Ladakh) sein, oder es ist die Ableitung des Wortes ‘Lahs’, welches mit ‘Schicksal’ übersetzt wird. Somit kommt er zu dem Schluss, dass “Lamleh” entweder “Weg des Schicksals – Schicksalsweg” oder “Weg nach Leh” heißt.
In den überlieferten Aufzeichnungen von Dr.Greig habe ich jedoch noch keinen geschichtlichen Zusammenhang ihrer TT Zucht mit der Stadt Leh gefunden. Und die Ähnlichkeit des Wortes ‘Leh’ mit ‘Lahs’ ist für mich weder als Schriftzeichen noch phonetisch wirklich überzeugend. Also machte ich mich auf die Suche…

Was findet sich im Wörterbuch?
…und fand in einem meiner tibetischen Wörterbücher das Wort “Lamlee”*, welches dem Wort ‘Lamleh’ doch sehr wortverwandt zu sein scheint. Auch die Aussprache ist lt. Wörterbuch gleich. Übersetzt wird ‘Lamlee’ mit zwei Bedeutungen: Road building = Straßenbau und Construction work = Aufbauarbeit. Auch hier wird also die Silbe ‘Lam’ sinngemäß mit Weg, Straße, und ‘lee’ mit ‘etwas aufbauen, entwickeln’ übersetzt.

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* (mit den Buchstaben des Internets konnte ich leider die benutzten Schriftzeichen des Wörterbuches nicht schreiben – daher verwende ich ‘ee’. Die Aussprache lt. Wörterbuch wird verglichen mit der Aussprache von ‘e’ in ‘prey’ )
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Ein Blick zurück – Indien in den 20iger Jahren
Aber weshalb sollte Mrs. Greig dieses Wort als Namen für ihre TT Zucht
wählen? Schauen wir zurück ins Jahr 1923, um ev. einen Zusammenhang zu finden:
Im Buch von Angela Mulliner können wir lesen: “Dr.Greigs Begeisterung für ihre kleine Hündin wuchs noch, als Bunti heranwuchs. Als sie ein Jahr alt war, war sie so hübsch, dass Dr.Greig sie ausstellen wollte. Sie schrieb dem Schriftführer des Kennel Club of India, schilderte ihm, wie sie Bunti erhalten hatte und bat um Rat für das weitere Vorgehen. Der Schriftführer schlug vor, Bunti als Lhasa Terrier für die nächste Show in Dehli anzumelden, wo ein Gremium von indischen Richtern sie sich ansehen und sich eine Meinung über die Rasse bilden sollten. Dies tat Dr.Greig, und die einstimmige Meinung der Richter war, dass Bunti kein Lhasa Terrier sei. Man kam überein, ein begrenztes Zuchtprogramm zu starten. nach drei gezüchteten Generationen wollte man Bunti und ihren Nachwuchs über die Rassezugehörigkeit der Hunde kommen.”
Dr.Greig fuhr zurück nach Hause und hatte jetzt ein Ziel vor Augen – sie wollte mit Bunti und Hunden, die diesem Rassetyp entsprechen, eine eigenständige, anerkannte Rasse aufbauen.
Die Anerkennung der Tibet Terrier als eigenständige Rasse
Eine weitere Hündin die nicht mit Bunti verwandt war und in das Zuchtprogramm einging, war die in 1928 geborene Gyan Tse of Lamleh. Über ihre Herkunft ist leider nichts bekannt, außer dass Mrs. Greig sie in Indien erwarb. Diese Hündin bekam als erster TT den Zunamen of Lamleh. Sie errang in Bombay und Karachi jeweils das Hündinnen CC (Champion-Zertifikat), welche sehr wichtig waren, da die Vergabe an eine spezielle Rassezugehörigkeit gebunden ist.
Im Buch von Angela Mulliner kann man hierzu lesen: “Die endgültige Entscheidung des indischen Richtergremiums bezüglich der Rassezugehörigkeit besagte, dass Dr.Greigs Hunde eine eigene Rasse darstellten, die als Tibet Terrier bekannt werden sollte. Die vorläufige Registrierung wurde dahingehend geändert. im Sommer 1930 erschien in der Kennel Gazette eine Beschreibung der neuen Rasse mit Bildern von rassetypischen Tibet Terriern und Lhasa Terriern. Auch der British Kennel Club wurde aktiv; das bis heute geführte Tibet Terrier – Register wurde in der Kennel Gazette vom Februar 1931 eröffnet.” (*Übersetzung: Andrea Heger)
Zur gleichen Zeit wurde auch der erste Wurf unter dem Kennelnamen “of Lamleh” registriert, dies waren zwei Hündinnen und ein Rüde aus der Verbindung Gyan Tse of Lamleh mit dem Rüden Mr.Binks of Ladkok. Dr.Greig hatte es geschafft! Ihre Hunde wurden als eigenständige Rasse anerkannt. Ihre ‘Aufbauarbeit’ war erfolgreich – viel Engagement und Leidenschaft hat sie in dieses Projekt gesteckt, welches damit erst richtig begann – und vielleicht hat Mrs. Greig, Wegbereiterin unserer TT Zucht, daher ihren Hunden den Namen “of Lamleh” gegeben. Ganz genau wissen werden wir es wohl nie….
Glücksbringer vom Dach der Welt
Die Sage erzählt, dass die Tibeter ihre kleinen Hunde niemals verkauft haben. Sie wurden manchmal Reisenden als Glücksbringer auf ihren Weg durch das unwegsame und gefahrenvolle Hochland Tibets mitgegeben, oder waren ein Geschenk der Tibeter an ihre Gäste als Zeichen ihrer Dankbarkeit. So bekam auch Dr.Greig ihre ersten Tibet Terrier Hündin Bunti. Sie war ein Geschenk eines wohlhabenden Tibeters als Dank für die gelungene Operation und Heilung seiner Ehefrau.

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Daher möchte ich nicht versäumen auch auf dieses im Wörterbuch gefundene Wort zu verweisen: “Lameé” – was übersetzt
‘Ohne Bezahlung – unbezahlt’ heißt.
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Die tibetische Sprache war damals noch nicht sehr erforscht – Wörterbücher wie wir sie heute kennen gab es nicht. Hinzu kommt, dass es zahlreiche tibetische Dialekte gibt. Dem modernen Schrifttum fehlte somit auch die sprachliche Prägnanz. Daher könnte das Wort ‘Lamleh’ natürlich auch mit ‘Lamee’ wortverwandt sein. Nehmen wir es als Bestandteil der mystischen Geschichte unserer Hunde aus Tibet.